Rheine im Zweiten Weltkrieg – Zerstörung und Wiederaufbau

Rheine unter dem NS-Regime (1933–1945)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde auch in Rheine das öffentliche Leben zunehmend von der Ideologie der NSDAP geprägt. Politische Gegner wurden verfolgt, Vereine und Organisationen gleichgeschaltet und das gesellschaftliche Leben stärker staatlicher Kontrolle unterstellt.

Besonders betroffen war die jüdische Bevölkerung der Stadt. Die Synagoge von Rheine befand sich an der Ecke Neuenkirchener Straße / Salzbergener Straße und wurde während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. Das Gebäude wurde verwüstet und später abgetragen. (Stadt Rheine; Jüdische Gemeinden in Deutschland)

Viele jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden in den folgenden Jahren entrechtet, verfolgt und deportiert. Insgesamt wurden mindestens mehrere Dutzend jüdische Einwohner aus Rheine Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, viele von ihnen wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet. An zahlreiche dieser Menschen erinnern heute Stolpersteine im Stadtgebiet, die vor ihren ehemaligen Wohnhäusern verlegt wurden. (Liste der Stolpersteine in Rheine; Stadtarchiv Rheine)

Während des Krieges wurden außerdem Zwangsarbeiter aus den von Deutschland besetzten Ländern in Landwirtschaft, Industrie und Bauprojekten eingesetzt. Sie lebten häufig unter schlechten Bedingungen und waren strengen Kontrollen unterworfen.

Die Bombenangriffe auf Rheine und ihre Auswirkungen

Aufgrund seiner Lage als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im Münsterland sowie der militärischen Infrastruktur wurde Rheine im Verlauf des Zweiten Weltkriegs mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe.

Die schwersten Angriffe:

  • 20. Dezember 1942: Während der Sonntagsmesse wurden die Gebäude am Marktplatz 10 und 11 durch einen Bombenangriff schwer beschädigt bzw. zerstört. Fast die gesamte Eigentümerfamilie kam dabei ums Leben.
  • 5. Oktober 1944: Ein besonders schwerer Luftangriff traf große Teile der Stadt, vor allem den Bereich rund um den Bahnhof sowie angrenzende Wohngebiete. Zeitgenössische Berichte nennen 241 amtlich festgestellte Todesopfer, wobei bereits damals vermutet wurde, dass tatsächlich über 300 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. (Stadt Rheine – Bombenangriffe 1944)
  • 21. März 1945: Weitere Bombardierungen kurz vor Kriegsende richteten erneut erhebliche Schäden an Bahnanlagen und Infrastruktur an.
  • 25. März 1945: Auch in den letzten Kriegstagen kam es zu weiteren Luftangriffen auf Verkehrsanlagen und militärische Ziele im Raum Rheine.

Folgen der Angriffe:

Die wiederholten Bombenangriffe der letzten Kriegsjahre hinterließen erhebliche Zerstörungen im Stadtgebiet. Besonders stark betroffen waren der Bereich um den Bahnhof sowie große Teile der Innenstadt.

Nach zeitgenössischen Berichten und späteren Auswertungen lassen sich die Folgen der Luftangriffe ungefähr wie folgt zusammenfassen:

  • Große Teile der Innenstadt wurden zerstört oder schwer beschädigt (teilweise bis zu etwa 80 %)
  • Über 1.000 Menschen verloren während des Krieges in Rheine ihr Leben, darunter viele zivile Opfer der Luftangriffe und der Kämpfe der letzten Kriegstage
  • Rund 1.800 Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt

(Angaben nach zeitgenössischen Berichten und lokalen historischen Darstellungen zur Kriegszerstörung in Rheine; Stadtarchiv Rheine)

Besetzung durch alliierte Truppen (April 1945)

Im Frühjahr 1945 erreichten alliierte Truppen das Münsterland. Beim Rückzug versuchten deutsche Einheiten, den Vormarsch der Alliierten zu verlangsamen.

Am 1. April 1945 wurden mehrere Brücken über die Ems gesprengt, darunter die Hindenburgbrücke (heute Ludgerusbrücke) sowie die Nepomukbrücke. Die Sprengungen sollten den Vormarsch der alliierten Truppen behindern. (Stadt Rheine – Ende des Krieges)

Kurz darauf rückten britische Truppen in die Stadt ein. Größere Gefechte im Stadtgebiet blieben aus, da sich deutsche Einheiten weitgehend zurückgezogen hatten.

Mit der Besetzung begann eine neue Phase der Stadtgeschichte. Die britische Militärverwaltung übernahm zunächst die Kontrolle über Verwaltung und Versorgung der Bevölkerung.

Der Wiederaufbau der Stadt (1945–1960er Jahre)

Nach dem Ende des Krieges stand Rheine vor großen Herausforderungen. Viele Gebäude waren beschädigt oder zerstört, Wohnraum war knapp und die Versorgungslage schwierig.

In den ersten Jahren nach 1945 lag der Schwerpunkt auf der Beseitigung der Trümmer, der Wiederherstellung wichtiger Verkehrswege und der Reparatur beschädigter Gebäude. Viele Einwohner beteiligten sich an den Aufräumarbeiten.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er Jahre – dem sogenannten Wirtschaftswunder – entwickelte sich Rheine zunehmend zu einer modernen Mittelstadt. Neue Wohngebiete entstanden, Industriebetriebe expandierten und öffentliche Einrichtungen wurden wieder aufgebaut oder neu errichtet.

Stichworte zum mühsamen Wiederaufbau von Rheine

  • Trümmerbeseitigung durch Einwohner und Kriegsgefangene.
  • Notunterkünfte und provisorische Wohnlösungen wurden errichtet.
  • Wirtschaftswunder ab den 1950er Jahren beschleunigte den Neuaufbau.
  • Der Bahnhof, das Rathaus und die Antoniuskirche wurden wiedererrichtet.
  • Die Innenstadt wurde modern gestaltet, viele Fachwerkhäuser durch moderne Gebäude ersetzt.

Erinnerungsrundgang durch Rheine

Um die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs in Rheine erfahrbar zu machen, bietet sich ein historischer Rundgang zu wichtigen Erinnerungsorten an:

Historischer Marktplatz mit St. Dionysius-Kirche – Ein Ort mit langer Geschichte, der durch den Krieg stark beeinflusst wurde und heute als zentraler Treffpunkt der Stadt dient. Ort des Bombeneinschlags vom 20. Dezember 1942 auf die Häuser 10 und 11, bei dem fast die gesamte Eigentümerfamilie ums Leben kam.

Standort der ehemaligen Synagoge – An der Ecke Neuenkirchener Straße / Salzbergener Straße erinnert heute ein Gedenkzeichen an die 1938 zerstörte Synagoge.

Stolpersteine – Kleine Gedenktafeln vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer des Nationalsozialismus, die an deren Schicksale erinnern.

Gedenkstätte auf dem Friedhof Königsesch – Kriegsgräber von Zivilisten und Soldaten, die in den Luftangriffen und Bodenkämpfen ums Leben kamen.

Mahnmal an der St. Elisabeth-Kirche im Stadtteil Dorenkamp – Erinnerungsort an den Bombenangriff vom 5. Oktober 1944, der den Stadtteil schwer traf.

Bahnhof Rheine – Wichtiger strategischer Knotenpunkt im Zweiten Weltkrieg, mehrfach bombardiert und stark zerstört.

Emsbrücken – Kurz vor der Einnahme Rheines durch alliierte Truppen von der Wehrmacht gesprengt.

Fliegerhorst/Heeresflugplatz Rheine-Bentlage: Nach 1945 blieb dort laut Darstellung ein von Bombentrichtern übersätes Gebiet mit zerstörten militärischen Einrichtungen zurück.

Stadtarchiv Rheine – Bewahrt historische Dokumente, Fotos und Berichte über die Kriegszeit und den Wiederaufbau.

Diese Erinnerungsorte bieten einen umfassenden Einblick in die Geschichte Rheines während des Zweiten Weltkriegs und dienen als Mahnung für kommende Generationen. Sie können in einem geführten Stadtrundgang besucht werden, um die Vergangenheit lebendig zu halten.

Lehren aus der Vergangenheit
...Mahnung für die Zukunft

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in Rheine tiefe Spuren. Verfolgung, Bombenangriffe und Zerstörung prägten das Leben vieler Menschen und veränderten das Stadtbild nachhaltig.

Die Erinnerung an diese Ereignisse ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Geschichte. Gedenkorte und historische Dokumente tragen dazu bei, das Geschehen wachzuhalten und die Erfahrungen vergangener Generationen weiterzugeben.

Die Geschichte Rheines im Zweiten Weltkrieg erinnert daran, wie wichtig Frieden, Demokratie und gegenseitiger Respekt für eine freie Gesellschaft sind.

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